
Im Juni 2009 machten sich zum zweiten Mal Mitarbeiterinnen der Schule für Blinde und Sehbehinderte in Baindt auf den Weg zum
Behindertenzentrum SETI der Caritas Ägypten. Die beiden Sonderschullehrerinnen Elke Waßner und Daniela Bosch boten während ihrer Pfingstferien Workshops für die Kolleg/inn/en
aus ihrem Partnerprojekt an. Sie setzten damit den Wunsch beider Projektpartner nach einem regen fachlichen Austausch um.
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| Die Baindter Lehrerin Daniela Bosch bei SETI |
| Foto: Caritas international |
Nachdem sich die Projektpartner bei einem ersten Besuch in Ägypten 2007 und einem Gegenbesuch in Deutschland 2008 kennen lernen konnten, ging es diesmal um konkrete fachliche Unterstützung. Die beiden Baindter Lehrerinnen boten an den SETI-Standorten Kairo, Alexandria und Sohag für jeweils 15 bis 20 SETI-Mitarbeiter/innen Workshops zu Themen an, die beide Seiten gemeinsam erarbeitet hatten.
Es ging um "Sprachförderung bei Kindern mit Behinderung mit Hilfe der Gebärden-unterstützten-Kommunikation" sowie "Frühförderung sehgeschädigter Kinder mit Mehrfachbehinderung". Dabei war auch Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch und zur praktischen Umsetzung der Themen. In Kairo war beispielsweise ein zweijähriges Mädchen mit Down-Syndrom mit seiner Mutter beim Workshop, und Teilnehmer erarbeiteten Fördervorschläge und erste Gebärden, um die Entwicklung des Mädchens voranzubringen. In Alexandria nahm eine Mutter mit ihrer sehbehinderten Tochter teil, und gemeinsam konnten neue Förderansätze für sie entwickelt werden. "Das war ein Schlüsselmoment für eine Arbeit", resümierte eine Teilnehmerin nach den Workshops.
Sehr gefreut haben sich die Baindter Lehrerinnen über die engagierte Mitarbeit der ägyptischen Kollegen an den Workshops:
Viele Fragen wurden erörtert, viele Erfahrungen geteilt. Nicht zuletzt gaben die Besucherinnen die Erkenntnis weiter, dass
auch in Deutschland kein Allheilmittel für die Kinder bekannt ist und dass auch wir hier immer wieder an Grenzen stoßen und
Fortschritte nur in kleinen Schritten erkennbar sind.
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| Workshop in Ägypten mit sehbehinderten Kindern |
| Foto: Caritas international |
Neben den Workshops konnten Elke Waßner und Daniela Bosch zwei gemeinwesenorientierte Projekte (community based projects)
besuchen. Sie erlebten dort, wie mit einfachsten Mitteln versucht wird, den Kindern mit Behinderung zu ihrem Recht auf Bildung
und Teilhabe zu verhelfen. Ein Besuch führte zu einer Familie mit einem behinderten Mädchen in einem kleinen Dorf in Oberägypten.
Durch ein Projekt des SETI-Centers bekam die Familie zum ersten Mal die Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft für ihre Tochter.
Mitarbeiter von SETI geben ihnen nun Fördervorschläge und Anleitungen, um Material und Hilfsmittel herzustellen. Jetzt hofft
die Familie, dass ihre Tochter bald in die örtliche Schule gehen kann - der Inklusionsgedanke wird vom SETI-Center mit viel
Engagement weitergetragen.
Nach der Auswertung der Evaluationsbögen, die die Teilnehmer am Ende der Workshops ausgefüllt haben, wird in Baindt geplant,
wie der Austausch weitergeht. Die beiden Lehrerinnen hoffen, dass bald wieder ägyptische Kollegen nach Baindt kommen. "Vielleicht
kommen mal ein paar SETI-Kollegen zu uns und bilden uns in der Arbeit mit Geschwisterkindern fort", schlägt Elke Waßner vor.
Von Daniela Bosch
Juli 2009