
Alfred Hovestädt vom Diözesan-Caritasverband Köln hat im November 2008 an einer Reise nach Brasilien teilgenommen, die Caritas
international organisierte. Dort besuchte die deutsche Gruppe zahlreiche Caritas-Projekte. Was solche Begegnungen auslösen
können, erzählte Hovestädt Stefan Teplan und Ulrike Schnellbach.
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| Alfred Hovestädt |
Ci: Mitarbeitende deutscher Caritas-Einrichtungen besuchen Projekte der internationalen Caritas-Arbeit zum Beispiel in Brasilien.
Was bringt das?
Alfred Hovestädt: Es ist keineswegs so, dass nur die ausländische Seite von dem fachlichen Dialog profitiert. Auch jeder Reisende kommt mit
vielfältigen Anregungen zurück, zum Beispiel hinsichtlich der oft beeindruckenden inneren Einstellung der Mitarbeiter in Caritas-Projekten
in ärmeren Ländern. Darüber hinaus haben zum Beispiel bei der Brasilienreise alle Caritasverantwortlichen konkrete inhaltliche
Impulse für die Arbeit in Deutschland gewonnen.
Können Sie Beispiele nennen?
Monika Kleine, die Geschäftsführerin vom Sozialdienst katholischer Frauen in Köln, die auch an der Dialogreise nach Brasilien
teilgenommen hat, zum Beispiel war besonders beeindruckt von der Entwicklung der Hilfe in Verbünden. Ein Hilfenetz, das so
entstehe, wirke stabiler als etwa die bei uns so oft im Vordergrund stehende Einzelfallhilfe, hat sie mir nachher gesagt.
Bernhard Herdering, Geschäftsführer des Caritasverbandes für die Dekanate Ahaus und Vreden, hat feststellen können, wie effizient
gute Netzwerke zum Beispiel in der Drogen- und Gewaltprävention auch unter zum Teil dramatischen Bedingungen funktionieren.
Was verbindet Caritas-Mitarbeitende aus Deutschland mit ihren Kolleg/inn/en in aller Welt?
Die Arbeit der Caritas wird überall in der Welt geprägt von einer tiefen inneren Haltung, die im Evangelium begründet und
mit der Kirche verwoben ist. Die Teilnehmer der Brasilien-Reise haben erlebt, wie die Caritas in einem anderen Land arbeitet,
und sie haben etwas von der gemeinsamen Grundlage gespürt. "Wir müssen der Liebe Raum geben": Das hat Caritas-Bischof Dom
Demetrio in Sao Paulo gesagt und er hat damit die Motivation auf den Punkt gebracht. Es ist ein gutes Gefühl, Teil eines großen
Netzwerkes zu sein.
Caritas international ermöglicht mit seiner Aktion "Caritas für Caritas" umgekehrt Besuche ausländischer Fachkräfte bei deutschen
Einrichtungen. Welche Hoffnungen oder Erwartungen verbinden Sie mit solchen Kontakten?
Mit der Aktion "Caritas für Caritas" verbinde ich die Hoffnung gegenseitiger Hilfe und Bereicherung. Überall dort wo der Austausch
möglich ist, wird sich dies auch in der konkreten Arbeit auswirken, davon bin ich überzeugt. Caritasarbeit unter jeweils anderen
Rahmenbedingungen zu erleben kann neue Horizonte öffnen, den Sinn für das wirklich Wichtige wecken und ist der Boden auch
für konkrete, gute Ideen für die eigene Arbeit. Voraussetzung für das Gelingen des fachlichen Austausches ist allerdings die
intensive Vorbereitung und ein ehrlicher, vertrauensvoller Umgang miteinander. Was am Ende dabei herauskommt, ist im Einzelnen
zwar nicht immer planbar, aber die Mühe lohnt sich auf jeden Fall.
Haben Sie einen Rat für Kolleg/inn/en, die sich für die internationale Caritasarbeit interessieren?
Wenn Caritas-Kolleginnen und -Kollegen mit dem Gedanken spielen, sich auf die Aktion "Caritas für Caritas" einzulassen, so
kann ich sie nur dazu ermutigen. Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass dieses Einlassen auch mit erheblichen Anstrengungen
verbunden ist. Die Delegation, die 2008 in Brasilien war, durfte eine unglaubliche Gastfreundschaft und ein enormes Engagement
erleben. Aber die Reiseteilnehmer absolvierten ein strammes Programm mit vielen Projektvorstellungen, nachhaltigen Eindrücken
- und wenig Schlaf. Mit Tourismus hat eine solche Reise nichts zu tun.