
Charlie Khaleel Jabaji, Direktor der Suchthilfe Caritas Jerusalem, war zwei Wochen zum Fachaustausch bei deutschen Caritasverbänden
und -einrichtungen. Stefan Teplan hat mit ihm über seine Arbeit in Ost-Jerusalem und die Ergebnisse seines Besuchs gesprochen.
Mit welchen Erwartungen kamen Sie nach Deutschland?
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| Charlie Khaleel Jabaji |
Charlie Khaleel Jabaji: Es war wichtig für mich, neue Erkenntnisse und Denkweisen zu gewinnen, aber auch zu sehen wie die Kollegen bei den Caritasverbänden
in Deutschland arbeiten. Durch einen Erfahrungsaustausch bekam ich die Möglichkeit, die Vorgehensweisen und die Lösungen für
unterschiedliche Probleme in dem Bereich Drogenabhängigkeit zu vergleichen.
Welche Unterschiede und welche Gemeinsamkeiten in der Suchthilfe haben Sie festgestellt?
Charlie Khaleel Jabaji: Zu den großen Unterschieden zählen auf der einen Seite die Vielfalt der Einrichtungen in Deutschland, größere Kapazitäten
beim Personal sowie bei den zur Verfügung stehenden Mitteln. Auf der anderen Seite spielt die politische und religiöse Situation
unseres Landes dabei eine entscheidende Rolle. Als Israeli hat man viele Möglichkeiten, sich im Fall einer Drogenabhängigkeit
gut beraten und behandeln zu lassen. Leider bleibt diese Behandlung den Palästinensern verwehrt. Zusätzlich werden in der
islamischen Gesellschaft, in der der Alkoholkonsum aus religiösen Gründen verboten ist, Probleme wie Alkohol- und Drogenabhängigkeit
stark tabuisiert. Trotzdem gibt es eine Gemeinsamkeit zwischen den Caritas-Mitarbeitern in Ostjerusalem und in Deutschland:
Alle leisten hervorragende Arbeit in christlichem Geist und sind immer bemüht, alles zu tun, um den Betroffenen zu helfen.
Inwiefern bleibt die Behandlung den Menschen aus Palästina verwehrt?
Charlie Khaleel Jabaji: Das Behandlungsangebot für Drogenabhängige in Palästina besteht praktisch nur aus der in privaten Praxen und Kliniken durchgeführten
Entgiftung. Wir als Caritas Jerusalem sind bislang die Ausnahme. In unserem Suchthilfe-Zentrum, dem Old City Counseling Center,
bieten wir ein breitgefächertes und integriertes Angebot, bestehend aus Aufklärung, Beratung und Rehabilitation unter Einbezug
der Familie.
Aber gibt es nicht auch staatliche Zuschüsse für die Entgiftung?
Charlie Khaleel Jabaji: Ja, sehr Bedürftige bekommen eine Art Sozialhilfe während des Prozesses der Entgiftung. Sobald sie aber clean sind, wird diese
finanzielle Hilfe sofort gestoppt. Das ist kontraproduktiv und fördert im Grunde den weiteren Drogenkonsum. Viele fangen nämlich
nach erfolgreicher Entgiftung nur deswegen wieder an, Drogen zu konsumieren, um weitere finanzielle Unterstützung zu erhalten.
Wie kommen die Drogen in Ihr Land?
Charlie Khaleel Jabaji: Die meisten Drogen kommen aus den Nachbarländern Ägypten und Libanon, teils auch von der Seeseite her, häufig auch durch Arbeitsimmigranten
und illegale Einwanderer aus Afrika und Südostasien. Die Drahtzieher sind dem organisierten Verbrechen in Israel zuzuordnen.
Die Dealer sind dagegen überwiegend Palästinenser oder israelische Besatzungssoldaten, die häufig auch selbst konsumieren.
Wie hilft Ihnen Ihr Aufenthalt in Deutschland für Ihre weitere Arbeit?
Charlie Khaleel Jabaji: Wir haben mit dem SKM (Sozialdienst Katholischer Männer) in Köln eine Partnerschaft vereinbart, in deren Rahmen wir zweimal im Jahr Fachkräfte zum Knowhow-Transfer austauschen werden.
Und ich habe bei deutschen Caritas-Einrichtungen eine Menge Anregungen gewonnen.
Zum Beispiel?
Charlie Khaleel Jabaji: In einer Drogenhilfeeinrichtung der Caritas Wiesbaden etwa hörte ich, wie dort junge Drogenabhängige sich anonym im Internet
informieren können, indem sie mit dem Drogenberater im Chatroom kommunizieren und ihm Fragen stellen. Ich halte diese Möglichkeit
für sehr wichtig. Eine solche Anonymität gewährleistet den Zugang zu den Klienten, gerade da, wo Drogenkonsum ein gesellschaftliches
Tabu darstellt. Diese Idee möchte ich übernehmen und demnächst auch bei uns eine Telefonhotline für Betroffene einrichten.
Der Palästinenser Charlie Khaleel Jabaji war im Februar 2009 zu Gast bei Caritas-Einrichtungen in Aachen, Saarbrücken Koblenz und Wiesbaden/Bensheim. Er besuchte
unter anderem Fachambulanzen, Selbsthilfegruppen und Suchthilfezentren. Außerdem besuchte er den SKM Köln, um eine Projekt-Partnerschaft
anzubahnen.