Caritas für Caritas - Ägypten Einsatz in den Pfingstferien

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Die Blindenschule Baindt

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Ägypten-Einsatz in den Pfingstferien

Die Baindter Lehrerin Daniela Bosch über faszinierende Einblicke in die Sozialarbeit in anderen Ländern und darüber, wie sich mancher Ärger relativiert

Die Projektpartnerschaft zwischen der Blindenschule Baindt und SETI, einer Behindertenhilfe-Einrichtung der Caritas Ägypten, besteht seit 2006. Seitdem hat sich viel getan zwischen Baindt und Kairo. Die Sonderschullehrerin Daniela Bosch war von Anfang an aktiv dabei. Ulrike Schnellbach hat mit ihr gesprochen.

Daniela Bosch
Lehrerin Daniela Bosch

Warum betreibt Ihre Einrichtung eine Projektpartnerschaft?

Daniela Bosch: Als Caritas international im Jahr 2006 die Idee der Projektpartnerschaften vorstellte, gefiel unserer Leitung der Gedanke, den Blick nach außen zu richten und zu sehen, was soziale Einrichtungen in anderen Ländern machen. Wir leben hier in Deutschland mit einem recht guten Sozialsystem, da ist es interessant zu sehen, wie andere arbeiten. SETI ist es dann geworden, weil deren Klientel und Arbeitsweise zu uns passen. Und weil es geografisch nicht so weit weg liegt, so dass wir uns relativ einfach gegenseitig besuchen können.

Worin besteht die Projektpartnerschaft?

Bosch: Es gibt bei uns verschiedene Aktionen, um Spenden für SETI zu sammeln: zum Beispiel die Kollekte bei Gottesdiensten, Spenden beim jährlichen Schulfest und bei der Weihnachtsfeier. Seit letztem Jahr haben wir unser Café Egypt, bei dem Mitarbeiter/innen regelmäßig mit ihren Klassen kochen, und die Einnahmen aus dem Essen gehen an SETI. Es ist uns aber wichtig, dass es nicht nur ums Spendensammeln geht: Wir haben einen Arbeitskreis SETI, der sich etwa alle zwei Monate trifft um zu überlegen, wie wir die Kolleg/inn/en in Ägypten unterstützen können, auch fachlich.

Was war bisher der Höhepunkt der Projektpartnerschaft?

Zu Besuch in Baindt: Zwei Ärztinnen aus Ägypten
Zu Besuch in Baindt: Zwei Ärztinnen aus Ägypten treffen Mitarbeitende und Schüler/innen

Bosch: Das war sicher der Besuch zweier Ärztinnen aus dem SETI-Projekt im vergangenen Jahr. Sie waren eine Woche bei uns, und das hat hier ganz viel zum Leben erweckt. Anfangs war die Partnerschaft bei den Mitarbeiter/innen gar nicht so bekannt.

Als die beiden Ärztinnen hier waren, wurde das schlagartig anders. Die haben hier ganz viel gemacht, waren in allen Abteilungen der Schule von der Frühförderung über den Kindergarten bis zum Internat, da waren sehr viele Leute beteiligt und haben die beiden kennen gelernt.

Am Schluss gab es ein großes Grillfest, bei dem die beiden ihre Arbeit ganz toll präsentiert haben, das fanden glaube ich alle faszinierend und spannend. Seitdem ist die Projektpartnerschaft fest im Bewusstsein der Menschen hier verankert.

Was schätzen Sie: Wie viele der 120 Mitarbeitenden in Baindt wissen über die Projektpartnerschaft Bescheid?

Bosch: Ich würde sagen: 100 auf jeden Fall.

Und wie viele sind aktiv beteiligt?

Bosch: Zehn sind im Arbeitskreis SETI aktiv, aber es gibt einzelne Aktionen - wie das Café Egypt oder zurzeit eine Fastenzeitaktion mit Spendensammeln für SETI -, an denen sich viel mehr Mitarbeiter/innen beteiligen.

Wie macht sich die Projektpartnerschaft im Alltag bemerkbar?

Bosch: Mir persönlich geht es so, dass ich manchmal an SETI denke, wenn ich mich über irgendetwas ärgere, das hier nicht funktioniert oder nicht finanziert wird. Dann denke ich: Mensch, du regst dich über so etwas auf, und die Leute in Ägypten arbeiten mit viel, viel weniger und machen fantastische Arbeit. Das bewirkt, dass man ein bisschen zufriedener ist mit der guten Ausstattung, die wir in unserer Einrichtung haben. Es wird dadurch vieles relativiert.  

Was haben Sie von Ihren ägyptischen Partnern gelernt?

Bosch: Sie arbeiten mehr mit einem gemeinde- und familienzentrierten Ansatz, den wir hier gar nicht haben. Von dieser Arbeitsweise können wir noch viel lernen. Wir müssen uns immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass wir die gesamte Familie unterstützen und in die Förderung mit einbeziehen

Und was lernen die SETI-Mitarbeiter/innen von Ihnen?

Die Ärztin Madelaine mit der Schülerin Jenny
Die Ärztin Madelaine Sabry Azmy mit der Schülerin Jenny in Baindt

Bosch: Anfangs dachten wir, wenn die hier her kommen, können sie überhaupt nichts lernen: Wir mit unserem Luxus, zum Beispiel an Hilfsmitteln - das können sie sich zwar anschauen, aber sie haben so etwas einfach nicht. Aber ich glaube, sie konnten doch viel lernen. Wir haben ja auch viele einfache, selbst gebastelte Sachen. Und sehr viel Erfahrung gerade in der Arbeit mit blinden, geistig behinderten Schülern. Sie bekamen viele Tipps von Experten, etwa zum Umgang mit Autisten.

Was ist Ihre persönliche Motivation, sich für die Projektpartnerschaft zu engagieren?

Bosch: Ich finde es gut, neben meiner Arbeit hier in der Schule noch in einem anderen Bereich mitzuarbeiten, in einem anderen Land. Das ist dann auch wieder befruchtend für die Arbeit hier. Ich habe längere Zeit  in Afrika gelebt, dadurch interessiert mich das besonders.

Welche Pläne gibt es?

Bosch: Nach unserer ersten Reise zu SETI im Jahr 2007 steht nun der zweite Besuch an: Ich werde in den Pfingstferien zusammen mit einer Kollegin für zehn Tage hinfahren. Wir bieten an drei Standorten Workshops an zu Themen wie "Blindheit und Autismus" oder "unterstützte Kommunikation". Ein weiterer Kollege will nächstes Jahr ebenfalls Workshops dort anbieten, eine andere Kollegin will in ihrem Urlaub bei SETI vorbeischauen. Und noch etwas anderes: Wir bauen gerade in unserer Einrichtung den Erwachsenenbereich auf, den wir nach Sankt Menas benennen, dem Heiligen der koptischen Christen in Ägypten. Es war der Wunsch unseres Heimleiters Erik Thouet, der kürzlich die Einrichtung verlassen hat, dass zur Einweihung dieses neuen Bereichs dann auch Gäste aus Ägypten kommen, wobei das wohl schwer zu realisieren sein wird. 

Was raten Sie anderen Caritas-Einrichtungen, die eine Projektpartnerschaft in Betracht ziehen?

Bosch: Schön ist, wenn beide Einrichtungen mit einer ähnlichen Klientel und dadurch am selben Thema arbeiten. Das ist für uns wie für die ägyptische Seite immer wieder faszinierend festzustellen, dass wir, obwohl wir so weit voneinander entfernt leben, so ähnliche Kinder haben, und dass wir mit der gleichen Herzlichkeit, Fürsorge und Liebe für sie da sind. So etwas Gemeinsames, Verbindendes braucht eine Partnerschaft, damit sie am Leben erhalten bleibt.

März 2009

 


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