
Drei Mitarbeiter/innen der Blindenschule Baindt besuchten im Herbst 2007 zum ersten Mal ihr Partner-Projekt, das Behindertenzentrum
SETI der Caritas Ägypten: eine zugleich bedrückende und ermutigende Reise.
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| Empfang der Besucher von Baindt in Ägypten |
"Welcome to Egypt", diesen Satz hörten und spürten die drei Mitarbeiter der Baindter Schule während ihrer fünftägigen Projektreise
vom 30.9. bis zum 5.10.2007 durch Ägypten oft. Ziel dieser Reise war, das SETI-Center näher kennen zu lernen und erste Anknüpfungspunkte
für die Partnerschaft zu finden.
Das SETI-Center (Special Education Training for Inclusion) ist ein Projekt der Caritas Ägypten. Es war die erste Einrichtung
in Ägypten, die sich um die Belange von Kindern mit Behinderung kümmert. Sie richtet sich vor allem an die Ärmsten der Armen
und versucht, durch einen familienzentrierten Ansatz möglichst viele Kinder zu erreichen.
Besonders eindrücklich waren für die deutschen Gäste die Besuche bei mehreren ägyptischen Familien zu Hause. Ein Besuch führte
zur kleinen Demiana, die zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder in einer kleinen Wohnung im vierten Geschoss eines Hauses
mitten in Kairo wohnt. Demiana ist vermutlich aufgrund von Komplikationen bei der Geburt blind und körperbehindert.
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| Besonders eindrücklich waren die "Hausbesuche" in Ägypten |
Noch vor wenigen Jahren waren in Ägypten Eltern behinderter Kinder kaum aufgeklärt, wie sie ihrem Kind helfen und es in seiner
Entwicklung fördern können. Demianas Mutter hat im SETI-Center einen neunmonatigen Kurs mitgemacht, in dem sie gelernt hat,
wie sie ihr Kind zu Hause fördern kann. Denn Schulen oder spezielle Kindergärten für behinderte Kinder gibt es in Ägypten
noch sehr selten. Nun hat sie selbst Fördermaterial hergestellt, selbst orthopädische Schuhe für Demiana gekauft (die fünfmal
so viel kosten wie normale Schuhe !) und mit Hilfe eines Schreiners ein Stehbrett für ihre Tochter gebaut. Finanzielle Unterstützung
durch Krankenkassen o.ä. gibt es kaum. Krankengymnastik oder andere Therapien sind deshalb für diese Familien meist unbezahlbar
oder schlichtweg unerreichbar, da weder Häuser noch Straßen, Busse etc. auf Bedürfnisse von Menschen mit einer Körperbehinderung
eingestellt sind.
Die Reise war bedrückend, ermutigend und gewinnbringend zugleich: Die Kinder mit Behinderung haben in Ägypten so viel weniger
an finanzieller und materieller Unterstützung, so viel weniger Akzeptanz in der Gesellschaft und doch ist die Arbeit des SETI
- Centers mehr als nur ein Hoffnungsschimmer. Sie zeigt, wie auch mit wenigen Mitteln eine fantastische Arbeit geleistet werden
kann, die das Leben der Kinder und ihrer Familien so sehr verändert ! Vielleicht auch ein Beispiel für die Arbeit in Deutschland,
auf jeden Fall eine Reise, bei der beide Seiten - Gäste wie Gastgeber - profitieren konnten und die hoffentlich - entsprechend
dem Caritas-Motto - der Anfang von etwas Großem war.
von Daniela Bosch, Sonderschullehrerin, Schule für Blinde und Sehbehinderte Baindt