
Emowaysh Tegegn (15) lebt in der Stadt Asebe Teferi in der äthiopischen Diözese Hararghe. Ihre Mutter starb, als sie sieben
Jahre alt war, der Vater starb wenige Jahre später. Seitdem versuchen Emowaysh und ihre ältere Schwester sich durchzuschlagen,
Tag für Tag aufs Neue. Die Schwester besucht die Abendschule. Tagsüber bereitet sie zuhause Ingeera zu, einen Sauerteigfladen,
den Emowaysh auf der Straße verkauft. Nur selten kann Emowaysh die Schule besuchen, das Geldverdienen ist wichtiger. "Nur
am Sonntag, da gehe ich gerne in die Kirche", sagt das aufgeweckte Mädchen.
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| Für eine bessere Zukunft: Das Caritas-Zentrum in Asebe Teferi hilft Straßenkindern |
| Foto: Caritas international |
Um Kindern wie Emowaysh zu helfen, hat die Diözese Hararghe mit Unterstützung von Caritas international im Juni 2009 in Asebe Teferi ein Zentrum für Straßenkinder eröffnet. 250 Kinder wurden für die Hilfen ausgewählt. "Sie sollen extrem bedürftig, Waisen oder Halbwaisen sein oder die Eltern so arm, dass sie ihre Kinder in keiner Weise unterstützen können", erklärt Tafesse Sisay, Koordinator des Projektes bei der Caritas Harare, die Kriterien. Hauptanliegen des Zentrums ist die Bildung der Kinder. Dazu werden Schulgebühren übernommen, Schuluniformen, Hefte und Bücher bereitgestellt. Die älteren Kinder sollen dabei unterstützt werden, eine Ausbildung im Handwerk, als Köchin oder Frisörin zu machen.
Im Caritas-Zentrum erhalten die Kinder darüber hinaus eine medizinische Grundversorgung, können sich waschen und werden von Sozialarbeitern bei der Bewältigung ihres Alltags unterstützt. Im Vordergrund der sozialpädagogischen Arbeit steht, das Vertrauen der Kinder zu gewinnen, ihnen die Existenzsorgen zu erleichtern und wichtige Schlüsselkompetenzen zu vermitteln. Ein wenig Kind sein dürfen sie hier freilich auch: Tischtennis, Theater und Feste gehören zum Angebot.
Verantwortlich für das Programm ist die Diözese Hararghe, die seit Jahren erfolgreich ein ähnliches Projekt in der Distrikthauptstadt
Dire Dawa betreut. Finanziert wird das neue Zentrum im Rahmen einer Projektpartnerschaft vom Diözesancaritasverband Trier.
Asebe Teferi liegt an der Hauptstraße zwischen Addis Ababa und Dire Dawa; von dort führt die Straße zum Hafen von Djibouti.
Wie in vielen Städten Äthiopiens ist die Zahl der Straßenkinder in Asebe Teferi in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegen.
Zum einen drängen immer mehr Familien auf der Suche nach Arbeit in die Stadt - mehrere Dürreperioden in Folge haben die Situation
der ländlichen Bevölkerung massiv verschlechtert. Zum anderen trägt die Lage der Stadt an der Hauptverkehrstraße zu einer
sehr hohen AIDS-Rate bei, die Zahl der AIDS-Waisen steigt rapide an. So sind viele Kinder gezwungen, ihren Lebensunterhalt
selbständig auf der Straße zu verdienen. Einige versuchen sich mit Kleingeschäften über Wasser zu halten, andere schließen
sich in kriminellen Banden zusammen oder arbeiten als Prostituierte.
Emowaysh Tegegn hat einen Traum: Sie möchte Ärztin werden. "So könnte ich Aidskranken helfen und alten Menschen, aber auch
Kindern." Während das Mädchen davon träumt, anderen zu helfen, hat sie zunächst selbst dringend Hilfe nötig. Die könnte sie
im neuen Zentrum der Caritas bald bekommen.
Juli 2009