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SKM Köln

Drogenhandel ist international, Drogenhilfe national: „Das muss sich ändern“

Der SKM Köln tauscht sich regelmäßig mit einem Drogenhilfeprojekt in Ostjerusalem aus

Der Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) in Köln ist im Jahr 2009 eine Projektpartnerschaft mit dem Drogenberatungszentrum der Caritas Jerusalem (OCCC) eingegangen. Die Partnerschaft geht auf einen Besuch zweier OCCC-Mitarbeiter beim SKM im Februar 2009 zurück, in dessen Verlauf beide Seiten feststellten, dass sie einiges voneinander lernen können. Im September 2009 reisten SKM-Mitarbeiter/innen zum Gegenbesuch nach Jerusalem. Der nächste Besuch der OCCC-Mitarbeiter in Köln ist bereits geplant.

SKM Köln Besuch in Ostjerusalem 2009
Zu Besuch in Jerusalem: Andreas Hecht, Norbert Teutenberg, Brigitte Münzel und Fritz Papenbrock vom SKM (v. l.) mit Alae, einem Mitarbeiter der Caritas-Drogenhilfe in Jerusalem (2009)
Foto: Gabriele Fröhlich

Das Caritas-Drogenzentrum ist die einzige Anlaufstelle für Süchtige in ganz Ostjerusalem und dem Westjordanland. Das ist nach Ansicht von Direktor Charlie Jabajie auch der Hauptunterschied zwischen seiner Arbeit und der seiner Kollegen aus Deutschland. „Wir müssen alles abdecken, und das mit relativ geringen Mitteln.“

Insgesamt, so die Bilanz der Kölner nach einer Woche in Ostjerusalem, sei der Kontakt der palästinensischen Kollegen zu den Drogenabhängigen und ihren Familien viel unmittelbarer als im besser finanzierten und ausdifferenzierten deutschen System: „Bei uns sind oft Ärzte und anderes Fachpersonal zwischengeschaltet, die Patienten haben viel mehr verschiedene Ansprechpartner“, sagt Brigitte Münzel, Spezialistin für suchtgeprägte Familien. Besonders angetan waren die Kölner von der Familienarbeit in Ostjerusalem: den offenen Angeboten für Kinder und Frauen von Süchtigen etwa oder den Hausbesuchen der Sozialarbeiter und Ex-User bei den Familien. Gerade mit Blick auf die türkisch-muslimische Klientel in seinem Einzugsbereich nahm der Kölner Drogenberater Norbert Teutenberg einige Anregungen mit nach Hause.  

Drogen sind ein Tabu, Ausstiegsprogramme weitgehend unbekannt

OCCC-Direktor Jabajie interessiert sich im Gegenzug besonders für die niederschwelligen Angebote, die er in Köln kennengelernt hat. Drogencafés etwa, in denen Abhängige saubere Spritzen bekommen oder duschen können, könnten seiner Ansicht nach die Kontakte der Ostjerusalemer Berater ins Milieu hinein verstärken – und zwar über die Ausstiegswilligen hinaus. Drogen seien in der arabischen Gesellschaft nach wie vor ein Tabu, Ausstiegsprogramme mit Ersatzstoffen wie Methadon weitgehend unbekannt. Das möchte Jabajie ändern.

Auch wenn sich die Ansätze nicht einfach übertragen lassen – als bereichernd erleben alle Beteiligten die Projektpartnerschaft. „Drogen und Drogenhandel sind längst international“, stellt der Leiter der Kölner SKM-Drogenprogramme, Fritz Papenbrock, fest, „nur die Drogenhilfe ist bisher national ausgerichtet. Das muss sich ändern.“

Der nächste Besuch der OCCC-Mitarbeiter in Köln ist für kommenden Mai geplant. Ihre Gastgeber wollen dann vor allem die Vermittlung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen für Suchtpatienten in den Blick nehmen.

Von Gabi Fröhlich, Jerusalem

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