
Michael Yudha ist ein lokaler Mitarbeiter von Caritas international in Yogyakarta, Indonesien. Im April 2010 besuchte er Caritas-Einrichtungen
in Worms, Gießen,
Köln, Freiburg und Berlin. Diana Schwarz sprach mit ihm über seine Eindrücke und die geplante Projektpartnerschaft zwischen
einer indonesischen und einer deutschen Caritas-Einrichtung.
![]() |
| Michael Yudha |
| Foto: Caritas international |
Welche Einrichtungen haben Sie auf Ihrer Reise kennengelernt?
Michael Yudha: Ich habe unter anderem Caritas-Einrichtungen besucht, in denen Menschen mit Behinderungen arbeiten. Zum Teil üben sie sehr
anspruchsvolle Tätigkeiten aus und können so ihre Fähigkeiten ausbilden. Bei uns gibt es für Menschen mit Behinderungen keine
Möglichkeit der Qualifizierung. Es ist daher eine unserer nächsten Aufgaben, Einkommensmöglichkeiten für sie in unserem Land
zu finden. Sie müssen dieselben Rechte und Möglichkeiten haben, am Arbeitsleben teilzunehmen.
Was hat Sie bei Ihrem Besuch am meisten beeindruckt?
Michael Yudha: Seit ich in Deutschland bin, habe ich von vier Suiziden erfahren. Ich weiß, dass es für Selbstmord verschiedene Gründe gibt,
die oft nichts mit wirtschaftlichen Problemen zu tun haben. Aber wenn ich sehe, wie viele Möglichkeiten es in Deutschland
gibt, Hilfe zu bekommen, frage ich mich, aus welchem Grund die Menschen sich umbringen. Ich denke, dass es etwas mit dem Glauben
und der Hoffnung zu tun hat. In Indonesien ist die Situation hoffnungslos, trotzdem geben wir die Hoffnung nicht auf. Vielleicht
sind es die Religion und der Glaube, die uns zum Durchhalten ermutigen. Vielleicht ist die Säkularisierung hier eine Ursache
der Hoffnungslosigkeit. Das sind Fragen, die mich in letzter Zeit sehr beschäftigen.
Denken Sie, dass Ihre Erfahrung in Deutschland Ihre Arbeit in Indonesien beeinflussen wird?
Michael Yudha: Ja, auf jeden Fall. Diese Reise ist eine fantastische Erfahrung. Mit all den Einrichtungen hier fühle ich mich wie im Himmel
und werde angespornt, noch härter für die
Menschen in meinem Land zu arbeiten. Die Probleme in meinem Land sind vergleichbar mit den Problemen hier. In manchen Bereichen
befinden wir uns in einem anderen Stadium, aber der Austausch hilft uns, über die Lösung von Problemen nachzudenken, auf die
wir in Zukunft
treffen werden. In Deutschland gibt es mehr technischen Luxus als in Indonesien, aber die Menschen sind einsam. Wenn wir uns
also auf dem Weg befinden, ein "entwickeltes" Land zu werden, müssen wir bedenken, dass dies auch mehr Einsamkeit bedeutet,
und wir müssen uns
überlegen, ob wir nicht lieber arm und glücklich bleiben möchten.
Welche Bedeutung haben für Sie die gegenseitigen Besuche im Rahmen der "Caritas für Caritas"-Begegnungsreisen?
Michael Yudha: Ich finde diese Art des Austauschs sehr wichtig, um einander kennen und verstehen zu lernen. Wir lernen zu verstehen, dass
wir alle dieselben Rechte haben und auf demselben Planeten leben. Der Austausch schafft Solidarität und Gleichwertigkeit und
ist deshalb sehr bedeutungsvoll. Ich sehe diese Begegnungsreise als eine Art Schule, bei der ich viele neue Lehrer treffe
und auch selbst Lehrer sein kann.
Sie sind an der Planung einer Partnerschaft zwischen einer deutschen und einer indonesischen Caritas-Einrichtung beteiligt.
Was sind Ihre Erwartungen an eine solche Projekt-Partnerschaft?
Michael Yudha: Wenn wir über Partnerschaft sprechen ist das Wichtigste, dass die Partner auf Augenhöhe sind. Eine Partnerschaft sollte sich
nicht nur auf die Projekte beziehen, sondern auch eine menschliche Ebene beinhalten, bei der der Geist der Caritas lebendig
wird: sich gegenseitig zu helfen und eine freundschaftliche Beziehung zueinander aufzubauen.